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    Lohnvorstellungen im Lebenslauf: Was in der Schweiz wirklich üblich ist

    Lebenslauf-Dokument neben einem Stapel Schweizer Franken-Münzen und einem Kompass – Symbol für Lohnvorstellungen im Schweizer CV

    „Bitte geben Sie Ihre Lohnvorstellung an.“ Ein Satz, der viele Bewerbende ins Schwitzen bringt. Zu tief? Du verschenkst Geld. Zu hoch? Du fliegst aus dem Prozess. Und dann noch die Frage: gehört das überhaupt in den Lebenslauf – oder ins Bewerbungsschreiben? Dieser Guide klärt die Schweizer Konventionen, zeigt, wie du mit Salarium und Lohnrechner den Markt sauber recherchierst, und liefert Formulierungen, die professionell wirken.

    In der Schweiz gilt eine klare Regel, die viele Bewerbende übersehen: Lohnvorstellungen gehören nicht in den Lebenslauf. Der CV ist ein Faktendokument – Ausbildung, Stationen, Kompetenzen. Er beantwortet die Frage „Wer bist du?", nicht „Was kostest du?". Wer im Lebenslauf einen Lohnwunsch einträgt, wirkt in der Deutschschweiz schnell unbeholfen oder taktisch ungeschickt.

    Der richtige Ort für Lohnvorstellungen ist – wenn überhaupt – das Bewerbungsschreiben, und auch dort nur, wenn das Inserat es explizit verlangt. Fragt das Unternehmen nicht danach, nennst du keine Zahl. Punkt.

    Wann du eine Lohnvorstellung nennen musst

    Es gibt drei typische Situationen, in denen eine Angabe erwartet wird:

    1. Das Inserat verlangt es wörtlich („Bitte geben Sie Ihre Lohnvorstellung an"). 2. Ein Recruiter oder eine Personalvermittlung fragt im Vorgespräch danach – oft telefonisch, manchmal im ersten E-Mail-Kontakt. 3. Im späteren Bewerbungsgespräch, meist in Runde zwei oder drei, wenn die fachliche Passung geklärt ist.

    In allen anderen Fällen ist Schweigen die klügere Strategie. Wer ungefragt eine Zahl in den Raum wirft, verschiebt die Verhandlungsposition zu früh und meist zum eigenen Nachteil.

    Wo genau die Angabe hingehört, wenn sie verlangt wird

    Im Bewerbungsschreiben platzierst du den Satz kurz vor dem Schlussabsatz – nach der Motivation, vor dem Gesprächswunsch. Er soll sachlich klingen, nicht defensiv. Beispiel:

    „Meine Lohnvorstellung liegt bei einem Bruttojahresgehalt von CHF 95'000 bis CHF 105'000, verhandelbar je nach Gesamtpaket und Verantwortungsumfang."

    Ein Satz, eine Spanne, ein Hinweis auf Verhandelbarkeit – mehr braucht es nicht. Keine Rechtfertigung, keine Erklärung, warum du diese Zahl wählst. Diese Diskussion gehört ins Gespräch.

    Wie du in der Schweiz seriös eine Zahl findest

    Der grösste Fehler ist, aus dem Bauch heraus eine Zahl zu wählen – oder das aktuelle Gehalt plus 5 Prozent draufzuschlagen. Beides ignoriert den Markt. In der Schweiz stehen dir mehrere seriöse Datenquellen zur Verfügung.

    Salarium (Bundesamt für Statistik). Salarium ist der offizielle Lohnrechner des Bundes. Er basiert auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE), die alle zwei Jahre über eine Million Löhne erhebt. Du gibst Branche, Beruf, Ausbildung, Erfahrung, Alter, Region und Unternehmensgrösse ein – und bekommst statistisch fundierte Medianlöhne sowie Quartilswerte. Das ist die verlässlichste Datenbasis, die du in der Schweiz kostenlos bekommst.

    Lohnrechner der Gewerkschaften. Travail.Suisse und Unia betreiben eigene Lohnrechner (lohncheck.ch, lohnrechner.ch), die zusätzliche Filter erlauben. Praktisch als Zweitmeinung.

    Branchenverbände und GAV. Viele Branchen kennen Gesamtarbeitsverträge (GAV) mit Mindestlöhnen und Lohnstufen – Bau, Gastronomie, Detailhandel, Reinigung, MEM-Industrie. Der GAV setzt den Boden. Für qualifizierte Positionen liegt der marktübliche Lohn oft deutlich darüber.

    Gehaltsstudien. Von PageGroup, Robert Half, Hays, Adecco erscheinen jährlich Salary Guides für die Schweiz, aufgeschlüsselt nach Funktion und Region. Sie sind kostenlos als PDF verfügbar und ergänzen die Salarium-Daten mit aktuellen Marktbewegungen.

    Netzwerk. Frag zwei bis drei Menschen in vergleichbaren Rollen – idealerweise ausserhalb deines aktuellen Arbeitgebers. Das ist unbequem, aber die ehrlichste Realitätsprüfung, die es gibt.

    Wie du die Spanne festlegst

    Nutze folgendes Vorgehen:

    1. Salarium-Median für deine Konstellation als Anker. 2. Vergleich mit einer zweiten Quelle (Gehaltsstudie oder Lohnrechner). Weichen die Werte stark ab, prüfe die Eingaben – oft liegt der Unterschied in der Branche oder Region. 3. Anpassung nach oben, wenn du überdurchschnittliche Qualifikationen mitbringst: Zusatzausbildungen (CAS, MAS, HF), spezifische Zertifikate, Führungserfahrung, seltene Sprach- oder Fachkombinationen. 4. Anpassung nach unten nur, wenn du bewusst Kompromisse machst: Quereinstieg, reduziertes Pensum mit hoher Flexibilität, sehr attraktiver Arbeitgeber. 5. Definiere eine Spanne von rund 10 Prozent – die Untergrenze ist deine Schmerzgrenze, nicht dein Wunsch.

    Brutto oder netto? In der Schweiz nennst du immer den Bruttojahreslohn, inklusive 13. Monatsgehalt. Bei Positionen mit variablem Anteil ist es üblich, Fix und Bonus getrennt zu benennen („CHF 110'000 fix plus 10–15 Prozent Bonus"). Nettolöhne nennst du nie – die Sozialabgaben, Quellensteuer und Pensionskassen-Beiträge unterscheiden sich zu stark nach Kanton und Alter.

    Was das Gesamtpaket ausmacht

    Ein häufiger Fehler: nur auf die Zahl schauen. In der Schweiz macht das Gesamtpaket den Unterschied. Rechne bei einem Angebot immer mit:

    - Anzahl Monatslöhne (12 oder 13, selten 14). - Bonus, Gratifikation, Erfolgsbeteiligung. - Pensionskassen-Beiträge des Arbeitgebers – bei überobligatorischen Lösungen ein spürbarer Wert. - Anzahl Ferientage (25 statt 20 Tage entsprechen rund 2,4 Prozent mehr Lohn). - Weiterbildungsbudget. - Homeoffice-Anteil, Reisezeiten, Spesenregelung. - REKA-Checks, Halbtax, Handy, Laptop, Parkplatz.

    Ein Job mit CHF 100'000 und 25 Ferientagen plus 8 Prozent PK-Beitrag kann attraktiver sein als CHF 108'000 mit 20 Tagen und minimalem BVG. Das gehört in die Verhandlung – nicht in die schriftliche Bewerbung.

    Häufige Fehler bei Lohnvorstellungen

    Zu tief, um „sicher" zu sein. Du verschenkst nicht nur Geld für dieses Jahr, sondern für alle Folgejahre – Lohnerhöhungen laufen prozentual auf der Basis. Ein zu tiefer Einstieg wirkt über Jahre nach.

    Zu hoch, ohne Begründung. Wenn du 20 Prozent über dem Median liegst, brauchst du klare Argumente – Führungsverantwortung, seltene Skills, nachweisbare Wertbeiträge. Ohne Substanz fliegst du raus.

    Eine punktgenaue Zahl. „CHF 97'500" wirkt willkürlich. Eine Spanne signalisiert Verhandlungsbereitschaft.

    Lohnwunsch im Lebenslauf. In der Deutschschweiz unüblich, wirkt aufdringlich. Weglassen.

    Vage Formulierungen wie „nach Vereinbarung". Wenn das Inserat eine Zahl verlangt, gilt „nach Vereinbarung" als Ausweichen. Nenne eine Spanne.

    Netto- oder Monatslöhne nennen. Immer brutto pro Jahr, inklusive 13. Monatsgehalt.

    Formulierungshilfen fürs Bewerbungsschreiben

    Neutral und selbstsicher: „Meine Lohnvorstellung liegt bei einem Bruttojahresgehalt von CHF 90'000 bis CHF 100'000, verhandelbar in Abhängigkeit vom Gesamtpaket."

    Bei variablem Anteil: „Ich denke an ein Bruttojahresgehalt von CHF 130'000 fix, ergänzt um einen leistungsabhängigen Bonus im branchenüblichen Rahmen."

    Bei bewusst breiter Spanne: „Meine Vorstellung bewegt sich zwischen CHF 85'000 und CHF 105'000, je nach Verantwortungsumfang und Zusatzleistungen."

    Bei einem Wechsel mit Entwicklungspotenzial: „Für die ausgeschriebene Rolle stelle ich mir CHF 95'000 bis CHF 105'000 vor, mit Blick auf die Perspektive der Position gerne verhandelbar."

    Und wenn nicht gefragt wird – aber der Recruiter im Telefonat direkt danach fragt?

    Dann antwortest du ruhig, in einer Spanne, mit Hinweis auf das Gesamtpaket. Was du nicht tust: eine Gegenfrage in Richtung „Was ist das Budget?" stellen, ohne selbst eine Zahl zu nennen. Das mag im US-Kontext funktionieren, in der Schweiz wirkt es ausweichend. Nenne deine Vorstellung, aber signalisiere Offenheit für das Gespräch.

    Häufige Fragen zu Lohnvorstellungen in der Schweiz

    Gehören Lohnvorstellungen in den Schweizer Lebenslauf? Nein. Der Lebenslauf ist ein Faktendokument. Lohnvorstellungen gehören ins Bewerbungsschreiben, und nur, wenn das Inserat es verlangt.

    Wie recherchiere ich einen realistischen Lohn? Nutze Salarium des Bundesamts für Statistik als Basis, ergänzt durch Gehaltsstudien (Robert Half, PageGroup, Michael Page) und den GAV deiner Branche, falls vorhanden.

    Bruttojahresgehalt inklusive oder exklusive 13. Monatslohn? Immer inklusive. In der Schweiz ist der 13. Monatslohn üblich und wird im genannten Bruttojahresgehalt mitgerechnet.

    Wie breit soll die Spanne sein? Rund 10 Prozent zwischen Unter- und Obergrenze. Die Untergrenze ist deine Schmerzgrenze – nicht dein Wunsch.

    Was mache ich, wenn ich keine Ahnung vom marktüblichen Lohn habe? Salarium ausfüllen (10 Minuten), einen Salary Guide lesen, zwei Menschen im Netzwerk fragen. Nach 30 Minuten hast du eine belastbare Bandbreite.

    Darf ich bei einem Jobwechsel deutlich mehr verlangen? Ja – wenn der Marktwert es hergibt. Wechselgründe rechtfertigen im Schnitt 5 bis 15 Prozent mehr, mehr nur bei klarem Positionssprung oder branchenüblicher Prämie für seltene Skills.

    Sauber vorbereitet in die Bewerbung

    Eine gut recherchierte Lohnvorstellung ist kein Wunschdenken – sie ist ein Argument. Wer den Median kennt, die eigenen Zusatzqualifikationen richtig einordnet und das Gesamtpaket im Blick hat, verhandelt aus einer starken Position. Damit die Bewerbung insgesamt trägt, muss aber auch der Rest sitzen: ein Schweizer Lebenslauf, der geprüft und optimiert ist, und ein Bewerbungsschreiben, das zur Position passt. Wenn du gleich das komplette Paket möchtest, findest du im Bewerbungspaket ATS Schweiz alles Nötige – inklusive Feinschliff für die Formulierung deiner Lohnvorstellung.